Nachdem sich die Jäger und Sammler vom Nomadenleben verabschiedeten und zu sesshaften Ackerbauer wurden, begannen sie Getreide und andere Feldfrüchte anzubauen und zu verarbeiten. So zerrieben und zerstampften sie das Getreide mit Steinen, dieses Prinzip sollte sich noch sehr lange erhalten.
Allmählich wurde der Mahlvorgang, der durch schwere körperliche Arbeit geprägt war, von Mühlen ersetzt, in denen schwere Mühlsteine zum Einsatz kamen. Diese wurden anfangs noch durch menschliche oder tierische Muskelkraft angetrieben, z. B. Handdreh-, Tret- und Rossmühlen. Später begann man die Naturgewalten (Wasser und Wind) je nach den örtlichen Gegebenheiten zu nutzen und es entstanden Wind-, Wasser- und Schiffmühlen.
In unserem Gebiet mit fruchtbaren Böden, das durch die Elbe geprägt ist, nutzte man die Schiffmühlen auf dem Fluss und auf dem ebenen Land kamen die Windmühlen zu Einsatz. Die Schiffmühlen auf dem Flussbett der Elbe verschwanden um 1890 vollständig, sie mussten dem aufkommenden Schiffsverkehr weichen.
Die Windmühlen waren um 1900 noch in vielen Orten zu finden (Gohlis, Zschepa, Kreinitz, Jacobsthal usw.), standen aber unter enormen Druck durch das Aufkommen von Industriemühlen, wie z. B. die Hübler-Mühle und die Gebr.-Schönherr-Mühle in Riesa.
Die Bockwindmühle in Zschepa
Als eine der letzten Windmühlen in der Umgebung steht die 1852 erbaute Bockwindmühle auf der Weinbergstraße in Zschepa. Die Geschichte des Standortes und der Bockwindmühle:
1819 wurde Johann Gottlieb Hoffmann als Müller einer Windmühle in Zschepa urkundlich erwähnt.
1853 brannte am 8. Juni die baufällige, alte Holländermühle ab (Mühlenbesitzer war ein Herr Rudoph) und wurde im selben Jahr wieder aufgebaut.
1890 erwarb Franz Karl Richter die Windmühle. Damit begann die über 100-jährige Familientradition der Zschepaer Müllerfamilie.
1927 ging der Besitz der Mühle auf seinen Sohn, den Müller Karl Otto Richter, über.
1936 wurde ein zusätzlicher Dieselmotor angeschafft, um den Betrieb auch unabhängig vom Wind zu betreiben.
1945 wurde die Mühle während der Kampfhandlungen am Ende des 2. Weltkrieges durch den Beschuss der Wehrmacht von der anderen Elbseite her schwer beschädigt.
1946 wurde die Mühle in einer Sturmnacht wiederum stark beschädigt, die Flügel rissen dabei ab und wurden auf das Nachbarfeld geschleudert. (Die Lorenzkircher Mühle brannte in dieser Nacht ab.)
1946/47 Beim Beseitigen der Schäden wurde auch der Wellhals und das Bruststück der Flügel erneuert. Diese Teile stammten von der Lorenzkircher Mühle und wurden als verwertbare Überreste aufgekauft und eingebaut.
1955 übernahm in der dritten Generation Karl Richter nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterprüfung die Windmühle.
1955 wurde eine Starkstromleitung mit Transformator zur Windmühle gezogen um den Mahlbetrieb mit Elektromotor sicher zu stellen. Um dieses Vorhaben durchzusetzen, schrieb der Müllermeister persönlich an die Staatsregierung und hatte Erfolg.
1971 Die Verstaatlichung in der DDR erreichte auch die Windmühle und den Müllermeister. Ab diesen Zeitpunkt wurde kein Mehl mehr gemahlen, nur noch Futtermittel wurden als Nebenerwerbstätigkeit in Lohnmüllerei für Kleinbauern und Tierhalter geschroten. Karl Richter nahm eine Tätigkeit als Maschinist in der VEB Getreidewirtschaft Riesa auf.
1980-85 wurde die Außenhaut der Bockwindmühle erneuert und renoviert, die Flügel wurden ausgebessert und bekamen ihren letzten Anstrich. (Alles ausgeführt von der Familie und Freunden.) Da ein Flügel nicht mehr ersetzt werden konnte, wurden die beiden Hausruten abgenommen. Bei gutem Wind machte es dem Müller trotzdem Spaß, eine Mühle drehen zu lassen, wenn auch nur mit zwei Flügeln.
1991 Der Müller Karl Richter wurde Altersrentner und meldete auch seinen Nebenerwerb ab.
1996 übernahm Holm Richter das Mühlengrundstück und damit auch die Bockwindmühle.
2000 wurden nach mehreren Ausbesserungsversuchen die letzten beiden Flügel (Feldruten) abgenommen.
2013-15 Die Erneuerung der Bretterwand über dem Wetterbalken wurde vorgenommen. Wellhals und Bruststücke sowie die Außenhaut der Sturmseite wurden repariert und gestrichen.
Technische Daten der Bockwindmühle Zschepa
Baujahr: 1853
Höhe: 16 m
Durchmesser des Flügelkreuzes: ca.20 m
Leergewicht(ohne Maschinen): ca.50 t
Leistung der Mühle (Windkraft): ca.13 PS
(Elt-Motor): 10 kWh
Mahlleistung: ca. 1t/Tag
Müllereimaschinen in der Mühle:
Verfasser: Holm Richter, Zschepa
Fotos: Holm Richter, Zschepa
Hinweis: Zur Besichtigung der Weinzeilen und der Bockwindmühle der Elbstraße in Richtung Ortsmitte (Zschepa) folgen, dann links auf die Weinbergstraße abbiegen.