Willkommen beim Elbe-Roeder-Dreieck

Brot und Wein am Jakobsweg 2

Standort
Am Elberadweg in Zschepa
GPS
51.349278, 13.266292
Projektphase
2016 – 2018

Weinanbau in Sachsen

Die Verbreitung der Weinreben nach Mitteleuropa verlief zögerlich, da die klimatischen Bedingungen für den Weinbau ungünstig waren. Einzelne Rebstöcke wurden zwar im Elbtal schon 929 vorgefunden. Es dauerte aber noch bis 1161, bis der erste Weinberg in Sachsen entstand. Er befand sich in Meißen gegenüber der Burg. Der Überlieferung nach hat sich vor allem Bischof Benno von Meißen um den Beginn des Sächsischen Weinbaus verdient gemacht.

Mit dem Schwerpunkt im Elbtal zwischen Diesbar und Pillnitz gab es in Sachsen im 17. Jahrhundert immerhin ca. 6.000 ha Rebfläche. Der Bedarf an Ackerböden führte zu einem Rückgang der Weinflächen.

Als 1880 die Reblaus auftrat (ein Insekt, das die Wurzeln der Weinstöcke schädigt), kam der Weinbau in Sachsen fast vollständig zum Erliegen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde eine Weinrebe entdeckt, die gegen Reblausbefall resistent ist. Auf diese wurden nun die heute bekannten Weinsorten gepfropft. Damit erholte sich der Weinanbau auch in Sachsen, heute gibt es wieder etwa 500 ha. Den Anbau betreiben 37 Weingüter und etwa 2500 Hobbywinzer, von denen sich die meisten in der Winzergenossenschaft Meißen zusammengeschlossen haben.

Sachsen gehört mit etwa 0,5 % der Fläche zu den kleinsten der 13 Weinanbaugebiete Deutschlands. Trotzdem gibt es im Elbtal mehr als 50 Rebsorten, Spitzenreiter ist der Müller-Thurgau. Erwähnenswert ist auch, dass es den Goldriesling, eine Rebe, die ursprünglich aus dem Elsass stammt, in Deutschland nur noch hier im Elbtal gibt.

Den Winzern an der Elbe gelingt es, kraftvolle und leicht säurebetonte Weine zu keltern, die von Weinliebhabern sehr geschätzt werden. Zahlreiche internationale Preise zeugen von der hervorragenden Qualität des Sächsischen Weines.

Seit einiger Zeit lebt auch die alte Tradition wieder auf, den Sächsischen Wein in eine ganz besondere Flasche zu geben. Aufgrund ihrer gedrungenen Form auch als „Sachsenkeule" bezeichnet, fällt sie im Weinregal sofort ins Auge.

Weinanbau in Zschepa

Schon auf der ersten Karte von Sachsen, die von Matthias Oeder nach 1586 im Auftrag von Kurfürst Christian I. angefertigt wurde und die heute allgemein als „Ur-Oeder" bezeichnet wird, war am „Dorff Zöppa" ein Weinberg eingezeichnet. Entsprechend des verwendeten Maßstabes war er vermutlich 2 ha groß.

Kurfürst Friedrich August I. „der Starke" hatte zur Vorbereitung des sogenannten „Lustlagers von Zeithain" im Jahre 1730 auch Zschepa wieder neu vermessen lassen. Wie auf dem abgebildeten Kartenausschnitt ersichtlich, war inzwischen noch ein weiterer Weinberg in Dorfnähe entstanden. Dieser Teil von Zschepa ist der am höchsten gelegene und wird auch bei großen Hochwassern nicht überflutet.

Im Laufe der Jahre sind beide Zschepaer Weinberge aufgegeben worden. Der ältere ist wieder Ackerland und der jüngere wurde mit Häusern bebaut. Am Ende dieser Siedlung steht auch unsere historische Bockwindmühle. Wenn nun dieser Weinberg auch nicht mehr existiert, so lebt zumindest die Erinnerung daran im Straßennamen „Weinbergstraße" fort.

Aus Interesse am Weinbau hat Familie Schreiber nach 1970 auf ihrem Hofgrundstück wieder Wein angepflanzt. Gleichzeitig wurden sie Mitglied der Winzergenossenschaft in Meißen. Später konnte in der Ortslage ein weiteres Landstück aufgerebt werden, so dass heute über 300 Weinstöcke zu pflegen und am Ende des Weinjahres auch zu lesen sind.

Ein Sprichwort unter den Winzern besagt, dass „der Weinberg jede Woche seinen Herrn sehen will“. Gemeint sind solche Arbeiten wie: Instandhaltung des Drahtgerüstes, Verschneiden und Anbinden der Reben, Ausbrechen der Triebe ohne Trauben und der Geiztriebe, Entblättern der Traubenzone, Gipfeln (Begrenzung des Höhenwachstums), entsprechende Maßnahmen gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten, fortwährende Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung. Am Schluss kommt als die Krönung dann die Lese, also die Ernte der Trauben.

Glück hat der Winzer, der Unterstützung von Freunden und von der Familie erhält, mit denen er die Arbeit aber auch die Freude teilen kann. So haben sich die Schreibers auch sehr darüber gefreut, dass ihre Enkeltochter Marie im November 2011 zur Sächsischen Weinprinzessin gewählt wurde und dadurch ein Jahr lang gleichsam als Botschafterin für den Sächsischen Wein tätig sein durfte.

Als Winzer hat man das Privileg, immer einen guten Tropfen im Keller zu haben. Und bei einem Glas Wein kann man unseren herrlichen Elbblick natürlich auch besonders gut genießen.

Verfasser: Familie Schreiber, Zschepa
Fotos: Familie Schreiber, Zschepa; A. Schröter, Riesa