Willkommen beim Elbe-Roeder-Dreieck

Der Stammsitz der Promnitze

Standort
Direkt vorm Schloss am Elberadweg
GPS
51.309218, 13.308656
Projektphase
2016 – 2018

Promnitz an der Elbe

Auf dem Gebiet der 1046 ersterwähnten Markgrafschaft Meissen, im Kernland der Sorben, liegt rechtselbisch eine Ansiedlung, „Promnitz“ genannt. Dieses Wort bedeutet im slawischen Sprachgebrauch einen Übergang über einen Fluss, bzw. eine Fährmöglichkeit. Das heute noch bestehende Geschlecht der Freiherren von Promnitz leitet seinen Namen von diesem Ort her. Er ist der Stammsitz dieses meißnischen Uradelsgeschlechts. Erstmalig ist der Name 1185 erwähnt. 

Bei der Betrachtung der heutigen Schlossanlage fällt auf, dass – von der Elbe her gesehen – der rechte Schlossflügel das älteste Teilstück zu sein scheint: Meterdicke Mauern in den heutigen Innenräumen suggerieren eine mögliche Erbauung als Turm in der Art eines Burgwards und könnten in ottonischer Zeit (10.Jhd.) entstanden sein.

Mit der linkselbischen Ansiedlung des ersten Klosters in der Mark Meissen im Jahre 1119, auf der Höhe der heutigen Stadt Riesa, ergab sich bald die praktische Bedeutung des Namens Promnitz: Die Klosterinsassen benutzten die gegenüberliegende Elbseite – fruchtbar durch oftmaliges Hochwasser – als Kräuter- und Gemüsegarten. Und seit 1197 besteht eine ständige Fährverbindung. Heute die älteste Elbfähre im Land!

Herman von Promnitz taucht als erster des Geschlechts aktenkundig 1250 auf – er ist Forstgraf, oder Forestarius beim meißnischen Markgrafen Heinrich III., dem Erlauchten (ca. 1216-1288), der auch als Minnesänger in der Manessischen Handschrift verzeichnet ist; d.h. Herman (gest. nach 1288) amtiert als oberster Wald- und Wildhüter der Markgrafschaft Meissen, zu dessen Aufgaben es beispielsweise gehörte, überführten Wilderern eine Hand abhacken zu lassen! So könnten die ersten Wohnbauten dieses Geschlechts – das Amt wurde vererbt – als „Forsthaus“ bezeichnet werden.

Das Stammwappen der Promnitzfamilie erhielt Ritter Nicolaus I. v. Promnitz im Jahre 1324 für seine kämpferischen Verdienste in der Schlacht bei Mühldorf. Im gleichen Jahr wurde zu Promnitz die Taverne erstmalig erwähnt. Weitere Besitzungen der Promnitze standen in Röderau, Böhla, Brockwitz und Zehren. Thilman, Otto I. (um 1331-1397), Heinrich I. (gest. 1385), Fritsche (gest. nach 1439) und Melchior I. (gest. 1447) sind weitere Elbansassen des Promnitzgeschlechtes.

Nach 1430 verließen die Promnitze ihren Stammsitz und die naheliegenden Güter und siedelten sich in Pirna, der Niederlausitz und Schlesien an. Die neuen Stammhäuser hießen nun Dittersbach, Herwigsdorf, Hirschfeldau, Lessendorf, Pirna und Weichau. 1558 erwarb der 34. Fürstbischof von Breslau und Neiße und Oberste Landeshauptmann in Schlesien, Seine Excellenz Balthasar III. Freiherr v. Promnitz a.d.H. Lessendorf (1488-1562) die größte Standesherrschaft der Niederlausitz: Sorau und Triebel und Pless in Oberschlesien, verfasste 1561 eine Successionsordnung, die promnitzschen Erb- und Hausgesetze, nachdem die ganze Familie 1559 den erblichen Freiherrenstand durch Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) erhielt. 1652 wurde Siegmund Seyfrid Baron v. Promnitz in den erblichen Grafenstand erhoben.

Anlässlich des Zeithainer Lagers weilte 1730 wieder ein Vertreter der Familie Promnitz auf dem Stammsitz Schloss Promnitz: Der Minister des Geheimkabinetts und Vetter Augusts des Starken (1670-1733), Erdmann III. Graf v. Promnitz (1683-1745) als Befehlshaber der Promnitzschen Reiter. Während des Lagers logierte er mit seinem Schwiegersohn August Ludwig Fürst v. Anhalt-Coethen (1697-1755) im Kreynitzer Schloss.

Im Jahr 2009 veranstaltete Franns-Wilfrid v. Promnitz ein erstes Schlossfest mit Musik und Speisung auf dem Areal seiner Ahnen. 2016 gab er – teilweise zusammen mit befreundeten Künstlern – eine Reihe von Konzerten, die sowohl im „Gewölbe“ (dem ehemaligen Kuhstall) – als auch zum Advent bereits im Schlossaal stattfanden.