Namensgebend für den heutigen Ort Lichtensee ist eine große Senke am Rand der Gohrischheide – „die alte Lichtensee“.
In handschriftlichen Aufzeichnungen zur Chronik des Ortes Lichtensee ist zu lesen: „Lichtensee lag ehemals, nur aus einigen Häusern bestehend, nordwestlich vom heutigen Ort im Flur- und Waldstück „Die alte Lichtensee“. Heute ist dort noch feuchtes, sumpfiges Gebiet mit einer Wassersuhle, die ganz selten austrocknet. Das heutige Lichtensee liegt zwischen ehemaligen Sumpfgebieten, etwas erhöht in der Landschaft.“
„Die alte Lichtensee“ liegt mit ca. 92 Meter über Meeresspiegel im Vergleich zu den angrenzenden Orten Heidehäuser und Lichtensee 3 Meter tiefer in der Landschaft. Dadurch sammelt sich abziehendes Hochwasser der Röder (über Steig- und Brandgraben), anstehendes Oberflächenwasser der Felder westlich von Lichtensee und hoch anstehendes Grundwasser in der aus „Stollens Loch“ an der Mühlberger Straße und der nördlicher gelegenen „alten Lichtensee“ bestehenden Senke am Rand der Gohrischheide. In Trockenperioden führt „Die alte Lichtensee“ kein Wasser.
Aus der Festschrift, 700 Jahre Lichtensee 1984
„Lange bevor der Ort Lichtensee urkundlich erwähnt wurde, war unsere Gegend besiedelt. Wenn auch heute nicht mehr genau bestimmt werden kann, welche Volksstämme hier lebten, so können wir doch mit Sicherheit annehmen, daß etwa im 8. Jahrhundert Slawen unsere Gegend bewohnten.
Ein Grenzwall, der sogenannte Teufelsgraben, zog sich von Fichtenberg, zwischen Nieska und Heidehäuser, an Lichtensee vorbei bis Koselitz. Er war ursprünglich die Grenze zwischen den Siedlungsgebieten der Hermanduren und Semnonen (germanischen und slawischen Volksstämmen). Der Sage nach wurde dieser vom Teufel erschaffen.
Höchstwahrscheinlich hat unser Ort seinen Namen von einem See, der in einer Urkunde erwähnt und der „große See“ genannt wurde. Aus Aufzeichnungen in der Chronik geht hervor, daß der See sein Wasser aus der Röder, die bei hohem Wasserstande häufig überströmte, erhielt. Der See erstreckte sich vom sogenannten „Busch“ bei Tiefenau bis an das östliche Ende unseres Dorfes und bei entsprechendem Wasserstand sogar zwischen Lichtensee und Heidehäuser bis hin zur „alten Lichtensee“ am Rande des Truppenübungsplatzes.
Noch vor 150 Jahren wurde berichtet:
"Je nachdem der Wasserstand der Röder ein höherer oder niedrigerer ist, zeigt auch der See einen größeren oder kleineren Wasserspiegel, der sich über Wiesenland rein und „licht“ (hell) ausbreitet. Daher der Name „Lichtensee“. Durch eine natürliche Verlandung und bessere Entwässerung und Kultivierung verkleinert sich der See mehr und mehr und verschwand schließlich.
„Leuschners Loch“ sind die letzten Reste vom „lichten See“, die sich bis heute noch am östlichen Ende unseres Dorfes befinden. Das alte Siegel mit dem Licht im See und den beiden Pflugscharren deuten darauf hin, daß schon vor Jahrhunderten die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig unserer Vorfahren war.“
zusammengestellt von: Jens Kraze, Lichtensee
Fotos: Jens Kraze