Unter König Otakar II. wurde 1267 erstmals Dominus Ulricus dictus Aratrum de Saaz, also Herr Ulrich (I) Pflug, in einer Urkunde für den deutschen Orden genannt. Diese Urkunde befindet sich im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden (Aratrum [lat.] = Pflug; de Saaz = aus dem Kreise Saaz). H.-J. Pflug, Adelebsen, schreibt in seinen Ausführungen zu Ulrich Pflug: „Nach heutiger Erkenntnis Stammvater aller böhmischen und sächsischen Pfluge.
Er gehört dem Herrenstand an und könnte aus der Gruppen eingewanderter fränkischer Edelleute stammen.“ Um 1300 verkaufte König Johannes von Böhmen, dem Sohn des oben genannten Ulrich (I), welcher ebenfalls den Namen Ulrich (II) trug und dem böhmischen Herrenstand angehörte, die Herrschaft Rabenstein.
Das Pflugsche Geschlecht brachte in den folgenden Jahrzehnten etliche Kammerherrn und Geheime Räte, einige Kanzler, einen Statthalter Böhmens, Burggrafen und hohe Geistliche (Bischof, Domherren) hervor. Die Pflugs saßen nicht nur in Rabenstein, sondern auch im Petschauer- und Egerland. Zu Reichtum gekommen, u. a. durch den Zinn- und Silberbergbau um Schlaggenwald, ließen sie hier Kirchen bauen und prächtig ausschmücken.
Ihr Einfluss reichte vom mittleren und südlichen Böhmen, von der (Ober)Lausitz bis in die Oberpfalz.
Doch wie kamen nun die Pflugs nach Sachsen?
Ulrich (II) Pflug war Rat des Bischofs Gerhard von Merseburg und verwaltete die Finanzen (als Schatzmeister) am bischöflichen Hof zu Merseburg. Urkundlich wurde dies 1295 und 1296 belegt. Gleichfalls hatte er Besitzungen in der Nähe von Merseburg. Der Ritter Ulrich (II) Pflug hatte einen Sohn Otto (I) (geb. um 1270). Dieser Otto (I) soll Strehla schon im Jahre 1289 besessen haben, dass er aber in Strehla gewohnt hat, ist nicht eindeutig belegbar.
Tatsächlich hatte Otto (I) drei Söhne, Otto (II), Heinz und Nickel. Zu den Besitzungen des Ritters Otto (II) Pflug (um 1330-1366) auf Knauthain gehörten a. u. Kitzschen, Zschocher, Seifertshain, Rohrbach, Mockau, Naundorf. Ritter Heinz Pflug (urkundlich 1349 erwähnt) saß auf Möckern, Dösen und Ritter Nickel (urkundlich 1377-1428 erwähnt) besaß Frauenhain. Otto (II) hatte wiederum 3 Söhne, Tham (Dam), Heinrich (Henze) und Otto (III).
Thams Sohn Nickel (gest. um 1440) galt als Stammvater der osterländischen Linie und Heinrichs Sohn Otto (IV) (gest. 1438) dagegen als der Stammvater der meißnischen Linie der Pfluge. Ottos (III) Sohn Johann (Hans) war der Stammvater der bereits nach der dritten Generation 1478 ausgestorbenen älteren Linie zu Eitra (Eythra).
Die zwei Pflugschen Hauptlinien in Sachsen - die osterländische und die meißnische Linie
Zur besseren Unterscheidung des reich verzweigten Pflugschen Geschlechts in Sachsen wird dieses nach ihren Besitzungen bzw. Stammsitze in die zwei Hauptlinien unterteilt - die osterländische und die meißnische Linie. Diese zwei Hauptlinien werden wiederum in mehrere Nebenlinien (Zweige, Häuser) untergliedert.
Die osterländische Linie
Das Osterland war ursprünglich das Land zwischen Saale und Mulde nördlich des Fichtelgebirges, später erweitert bis hin nach Torgau und Belgern, also die historische Landschaft im weiteren Umfeld von Leipzig. Die osterländische Hauptlinie begann mit Nickel Pflug (gest. 1440) auf Knauthain und Zöbicker.
Die meißnische Linie
Die meißnische Linie der Pfluge unterteilte sich in die Linien
- Strehla, mit - Strehla-Görzig (älteres Haus), Posterstein, Heukewalde, Zabeltitz und
- Strehla-Trebnitz, Lampertswalde (b. Oschatz), aus der die Linie
- Strehla-Görzig (jüngeres Haus) hervorgeht
- Frauenhain, Kottewitz,
- Tiefenau
Die Meißnische Linie begann mit dem aus der osterländischen Linie stammenden Ritter Otto (IV) Pflug.
Dieser wurde erstmals im Jahre 1384 auf dem Rittergut Strehla erwähnt. Zu dieser Zeit gehörten zum Rittergut Strehla die Stadt Strehla sowie die Dörfer Görzig (bei Strehla), Trebnitz, Bobersen, Oppitzsch, Fichtenberg, Zaußwiz, anteilig Forberge, Lichtensee, Pulsen und Pocha. Otto (IV) Pflug erwarb weitere Güter, zum Teil durch Kauf, aber auch als Lehen. So kamen 1392 Frauenhain, 1397 Zabeltitz, 1423(1425) Tiefenau, 1437 Lampertswalde (bei Oschatz) und 1440 Kottewitz (bei Riesa) in seinem Besitz.
Für letzteres lässt sich nicht mehr eindeutig klären, ob Otto (IV) selbst, denn er starb bereits 1426, den Besitz Kottewitz noch erwerben konnte oder ob dies erst durch seinen Sohn Otto (V) erfolgte. Auch besagen andere Quellen, dass Otto (IV) Pflugk bereits 1381 den Besitz Zabeltitz von Heinrich von Herstein (Ehemann Ottos Schwester Katharina) bzw. Hans von Köckeritz abgekauft haben soll.
Mit dem Tode Ottos (IV) im Jahre 1426 wurde sein großer Besitz unter seinen Söhnen aufgeteilt, und es erhielten:
- Otto (V) (gefallen 1438): Strehla-Trebnitz und die Hälfte von Lampertswalde,
- Ritter Heinz (gest. 1471): Zabeltitz, Kottewitz,
- Ritter Nickel (gest. 1476): Frauenhain,
- Dam (gest. 1454): Tiefenau,
- Jurge (Georg / Jürgen?, gest. zwischen 1492 und 1495): Strehla-Görzig, die Hälfte von Lampertswalde und Merzdorf.
Mit dieser Erbteilung (1438) gingen die nachfolgenden Linien hervor
- Strehla-Trebnitz (Otto (V)), - Zabeltitz (Heinz), - Frauenhain (Ritter Nickel),
- Tiefenau (Dam) und - Strehla-Görzig (Georg / Jurge),
In den folgenden Jahrhunderten vereinigten sich Teile dieser Linien wieder (Strehla-Görzig und Strehla-Trebnitz, Strehla und Tiefenau) bzw. verzweigten sich aufs Neue (Zabeltitz-Gauernitz).
Verfasser: H.-J. Pflug, Adelebsen; D. Enge, Treugeböhla
Fotos: Dietmar Enge, Treugeböhla
Bildunterschriften (der Reihenfolge nach):
Bild 1: strehla-1
Schloss Strehla, Postkarte Verlag K. Funke, Strehla, Nr. 5034, um 1900, Sammlung D. Enge, Treugeböhla
Bild 2: frauenhain-2
Schloss Frauenhain, Schloss Frauenhain, Postkarte, Verlag Otto Rost, Dresden-A., Sammlung K. Bredemann, Zabeltitz
Bild 3: IMG 25341
Palais Zabeltitz, Foto: D. Enge. Treugeböhla
Bild 4: tiefenau-1
Schloss Tiefenau, Hofseite, um 1930, Postkarte, Verlag Wilhelm Klettner, Gröditz, Sammlung D. Enge, Treugeböhla