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Militärgeschichte Zeithain

Standort
Am Eingang Altes Lager
GPS
51.351480, 13.336197
Projektphase
2016 – 2018; Neudruck: 2026

Chronologie des Barackenlagers und Truppenübungsplatzes Zeithain

1873 Übernahme von 210 ha Forst durch die Reichsmilitärverwaltung zur Anlage eines reichseigenen Übungsplatzes

1874 Erste Schießübungen zur Erprobung neuer Geschütze

1875 Errichtung des ersten Gebäudes – des Beamtenwohnhauses Nr. 1

1878 Errichtung Offiziers-Baracken I und II, Offiziers-Pferdestall II, Hauptwache, Kochküche 9, Mannschaftsbaracke 21 und 22, Beschlagschmiede 2, Krankenstall I, Offiziers Kasino, Steinstall IV, V und VI, zuzüglich diverser Nebengebäude

1879 Errichtung des Kommandanturgebäudes

1879/1900 Errichtung weiterer 56 Gebäude, davon 8 Offiziers-Baracken und 16 Mannschaftsbaracken, 11 Kochküchen, zuzüglich diverser Nebengebäude

1895 Fertigstellung des Wasserwerkes mit Wasserturm (500 m³) zur Versorgung des Barackenlagers; Das Wasserwerk wird nach ca. 90 Jahren Mitte der 1980iger Jahre außer Betrieb genommen. Bildung des selbständigen Gutsbezirkes Truppenübungsplatz Zeithain

1896 1. Kaiserparade in Zeithain am 3. September. Eine große 200 m lange Tribüne mit etwa 7.000 Plätzen wurde errichtet. Beidseitig davon befanden sich je 400 m Stehplätze. Diese boten den zahlreichen Zuschauern aus allen Teilen Sachsens und den benachbarten preußischen Grenzbezirken den Blick auf eine großartige Parade.

1897 Telefonverbindung vom Lager Zeithain zum Bahnhof Röderau

1898 Bau Lagerbahnhof und Lazarett, elektrische Beleuchtung für das Offiziers Kasino und Lazarett sowie Bau des Infanterieschießplatzes Haidehäuser

1900 – 1916 Errichtung weiterer 30 Gebäude, u.a. Mannschaftsbaracken und Offiziers-Baracken, Pferdeställe, Beamtenwohnhaus Nr. II („1900“) und III, Arbeitskommando-Kaserne, Milchtrinkhalle („Kaffee Finke“)

1901 Das Truppenübungsplatzgelände umfasst nun ca. 4.000 ha.

1903 2. Kaiserparade in Zeithain am 2. September

1905/14 Aufstellung verschiedener Einheiten: Ulanenregiment Nr. 21 am 1. Oktober, ab 30. November 1905 in Garnison in Chemnitz, Fußartillerie-Bataillon Nr. 19 am 1. Oktober 1912, Telegraphenbataillon Nr. 7 am 1. Oktober 1913

1905 Das Lager Zeithain besteht aus ca. 140 Gebäuden.

1906 1. Königsparade in Zeithain am 18. Mai

1906/07 Vergrößerungen der Schießbahnen nach Westen und Norden

1908 2. Königsparade in Zeithain am 20. August

1910 3. Königsparade in Zeithain am 19. August

1912 3. Kaiserparade in Zeithain am 29. August

1913/15 Bau einer Kaserne für das Arbeitskommando zur Unterbringung von bis zu 100 Mann

1914 Bau einer Milchtrinkhalle, bekannt als „Kaffee Finke“

1914 2. August – Mobilmachung auf dem Truppenübungsplatz Zeithain, das Lager wird in zwei Reserve-Lazarette A und B aufgeteilt

1914 Anfang September erste Beisetzung auf dem eiligst angelegten Heldenfriedhof; bis 1919 werden ca. 300 Soldaten beerdigt, heute Waldfriedhof
am 13. September trifft der erste Zug mit rund 300 Verwundeten ein

1915 Bau des Reserve-Lazarett C als Seuchenlazarett, bekannt als C-Lager

1916/17 Bau von Munitionsanstalt nebst Geschossfüllerei, Munitionslager I an der Gohliser Straße; Munitionslager II zwischen Wasserwerk und Zeithain sowie Munitionslager III zwischen Wasserwerk und Lichtensee

1918/19 Im Ergebnis der Novemberrevolution 1918 Auflösung der Truppen, der Lazarette und restlose Zerstörung der Munition, des Heeresgerätes sowie Schleifung der Munitionshäuser, Pulvermagazine und Lagerhäuser; der Truppenübungsplatz wird auf Grundlage des Versailler Vertrages entmilitarisiert

1920 Lager Zeithain wird „Heimkehrer Lager“ für Rückwanderer aus Polen, Russland und der Ukraine

1921/1937 Mannschafts- und Offiziersbaracken und andere Gebäude werden zu Wohnungen um- und ausgebaut. Geschäfte und Firmen siedeln sich an. Ende 1920 wird in der Mannschaftsbaracke 13 der Schulbetrieb aufgenommen.

1930 Wiedersehensfeier im Rahmen der „Zweihundertjahrfeier des Lustlagers von August dem Starken“

1934/36 Errichtung des Waldlagers nördlich des Wasserwerkes zu Ausbildungszwecken der SA und später der Wehrmacht; von 1941 bis 45 Reservelazarett für Kriegsgefangene des Stalag 304

1936 Übernahme des ehemaligen Truppenübungsplatzes samt Barackenlager und Waldlager durch die Wehrkreisverwaltung IV zur Nutzung durch die Wehrmacht; Kündigung der Miet- und Pachtverträge, alle im Lager wohnenden wehrmachtsfremden Personen mussten das Lager verlassen

1939 Ende August – Mobilmachung am Vorabend des Überfalls auf Polen und Beginn des 2. Weltkrieges

1941 Errichtung des Kriegsgefangenenlagers Stalag 304 westlich des Bahnhofes Jacobsthal; Über 20.000 Kriegsgefangene sterben bis Kriegsende und werden auf vier Friedhöfen in Massengräbern beerdigt.

1945 April - Die Wehrmacht verlässt den Truppenübungsplatz in Richtung Westen. Das Stalag 304 wird befreit. Das  Barackenlager wird Garnison der Roten Armee und der Truppenübungsplatz weiter militärisch genutzt.

1945 Herbst – Umsiedler beziehen vorübergehend die Baracken des Waldlagers, bis Anfang 1946 das Neubauerndorf Neudorf entsteht

1954 Umbau und Betrieb des ehemaligen Waldlagers zu einem Schweinemastbetrieb bis 1990, danach Bauhof der Gemeinde Zeithain

1950/1990 Das C-Lager wird bis 1956 durch die Kasernierte Volkspolizei, ab 1956 durch die Nationale Volksarmee, genutzt.

1990 Die Bundeswehr übernimmt von der NVA die Kaserne (ehemals C-Lager). Ab 2007 Abzug der letzten Bundeswehreinheit, Standort wird ohne Personal erhalten.

1992 Die Einheiten der Roten Armee verlassen das Lager und den Truppenübungsplatz Zeithain über den Lagerbahnhof per Eisenbahntransport. 

1998/2005 Rückbau der Gebäude, Einrichtungen und Anlagen des Barackenlagers und des Truppenübungsplatzes Zeithain, außer 10 Gebäuden, durch die Entwicklungs- und Verwertungsgesellschaft Zeithain mbH (EVGZ)

2005 Juni – Festwochenende anlässlich der „Zweihundertfünfundsiebzigjahrfeier des Lustlagers August des Starken“, welches weit über 10.000 Besucher besuchen

2008/09 In der Nähe des Obelisken Errichtung des 1. Solarfeldes: Größe: 25 ha, 56.000 Module, Leistung: 12,00 MWp, ab 05/2009 am Netz

2016/17 Im nordöstlichen Teil des Barackenlagers wird ein 2. Solarfeld auf einer Fläche von 2 x 25 ha installiert. Erweiterungen sind geplant.

2030 Juni – „Dreihundertjahrfeier des Lustlagers August des Starken“

zusammengestellt von: Olaf Kaube, Neudorf
Abbildung / Fotos: Olaf Kaube, Neudorf