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Schloss Tiefenau

Standort
Tiefenau, am Parkplatz neben Rittergut
GPS
51.390801, 13.397917
Projektphase
2016 – 2018

Die Familie Pflugk zu Tiefenau

Otto Pflugk auf Frauenhain erhielt 1425 vom Kurfürst Friedrich dem Streitbaren einen Lehnsbrief über die Herrschaft Tiefenau mit den Dörfern Lichtensee und Streumen. Er kämpfte als Ritter im Heer des Kurfürsten gegen die Hussiten und wurde, höchstwahrscheinlich als Dank dafür, mit obigem Besitz belehnt. Bereits ein Jahr später, 1426, fiel Otto Pflugk bei Außig im Kampf gegen die Hussiten.

Das Erbe übernahmen die Brüder Otto, Heinze, Nickel, Dam und Jurge gemeinsam bis 1438; danach nur noch Dam bis zu seinem Tod 1454. Georg Pflugk erhielt 1474 durch Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht den Besitz Tiefenau mit dem Vorwerk als Lehen. Mit der Heirat (1524) von Nickel Pflugk (auf Zabeltitz) und Margarethe Pflugk (auf Tiefenau) erhielt diese das Dorf Wülknitz als Leibgedinge.

Es wurden 1548 Hieronymus Pflugk (gest. 1586) mit dem Vorwerk Tiefenau belehnt und 1588 Tham Pflugk auf Tiefenau als Vormund der Pfluge zu Frauenhain eingesetzt. Das Gut Tiefenau fiel 1611durch Verkauf an Abraham von Einsiedel. Nun folgten durch Verkauf innerhalb kurzer Zeit mehrere Besitzerwechsel und die Pflugks verloren für einige Jahre den Tiefenauer Besitz.

So z.B. kaufte 1619 der sächsische Kurfürst das Gut Tiefenau einschließlich der Vorwerke Streumen und Gohrisch und setzte einen Verwalter ein. Bereits 1646 erwarb Joachim Friedrich von Dölau den Besitz Tiefenau. Von 1564 bis 1689 war Tiefenau kurfürstliches Vorwerk.

Erst 1704 kaufte August Ferdinand von Pflugk, 1705 in den Reichsgrafenstand erhoben, Tiefenau zurück und von nun an blieb es bis 1945 im Familienbesitz. Unter August Ferdinand von Pflugk (gest. 1712) erfolgte bis 1710 der Neubau des Schlosses, es entstanden die Wirtschaftsgebäude und westlich daran anschließend wurden Park und Garten im barocken Stil angelegt.

Durch Erbschaft kam 1882 Tiefenau an Wilhelm Ewald Georg Pflugk (gest. 1931, Strehlaer Linie), danach in langem Streit an dessen Sohn Bernhard Gustav Georg (gest. 1958 in Troisdorf) und verblieb dann bis zur Enteignung 1945 im Eigentum der Strehlaer Linie.

Von Januar bis Mai 1920 lebten Vater und Sohn gemeinsam in Tiefenau. Noch im Februar 1921 vollzog der Vater eine Trennung von seinem Sohn Georg (nach dessen Eheschließung am 03.02.1921 in der kath. Hofkirche zu Dresden mit Marie Marguerite v. Maubeuge) und verlegte seinen Wohnsitz nach Strehla, noch bevor der Sohn in Tiefenau das Torbogenhaus bezog. Das angespannte Vater-Sohn-Verhältnis eskalierte, denn der Vater schrieb seinem Sohn (18.2.26): „... Nach reiflicher Abwägung ... bin ich zu dem Endresultate gekommen, dass mir ein Zusammenarbeiten mit Dir als Beamten meiner Tiefenauer Wirtschaft ... unerwünscht erscheint. Ich bitte Dich ..., dass Du ... einen anderen Wirkungskreis suchst. ...“.

Nur durch Einschreiten des Geschlechtsverbandes konnte dieses abgewendet werden. Das Schloss wurde von der Familie nicht mehr bewohnt.

Stattdessen fand hier in der Zeit von 1933-1936 der Reichsarbeitsdienst (Abteilung 4/150 Tiefenau) eine Unterbringung, der die Teiche aushob und sanierte, aber auch notdürftige Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten am Schlossgebäude durchführte.

Von 1938-1940 war das Schloss eine Unterkunft für die Zwangsarbeiter aus dem Rüstungsbetrieb Stahlwerk Gröditz, gegen eine Monatsmiete von 500 RM. Während des Zweiten Weltkrieges waren im Schloss französische Kriegsgefangene untergebracht.

Im Zuge der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands wurden auch die Pflugks enteignet.

Ende 1945 bis 1947 diente das Schloss als Kinderheim. Wie viele Gebäude zum Kriegsende wiesen auch in Tiefenau Schloss, Kirche und Friedhof Schäden auf. Aufgrund einer äußerst breiten Auslegung des Befehls 209 der sowjetischen Besatzungsmacht durch die deutschen Behörden (Schicksal kriegszerstörter Bauwerke) wurde im Sommer 1948 das Schloss abgebrochen.

Nach 1990 wurde diese Anlage ein Spekulationsobjekt. Es folgten Pläne zu verschiedenen Nutzungen, die jedoch nicht zum Tragen kommen.

Erst 2008 interessiert sich ein Investor für das ehemalige Rittergut Tiefenau. Nun wird das Projekt „Resort Rittergut Tiefenau“ entwickelt und zielstrebig für eine Umsetzung vorbereitet.

Das Schloss Tiefenau

Tiefenau wurde 1013 vom Kaiser Heinrich II. dem Bistum Meißen zugeordnet und gilt als eines der ältesten Anwesen der deutschen Besiedlung in unserer Region. In dieser Zeit existierte eine Befestigungsanlage (Turmhügelburg) östlich des heutigen Rittergutes.  

1704 kaufte August Ferdinand von Pflugk (1705 Reichsgraf) das Rittergut Tiefenau und ließ ein neues Schloss errichten, das den nördlichen Abschluss eines großen Wirtschaftshofes bildete.Der dreigeschossige Bau mit Mansardendach schloss auf der Hofseite mit einem Segmentbogengiebel, mit daran angebrachten Wappen der Grafen von Pflugk und von Stubenberg, ab. An der Gartenseite war das innenliegende Treppenhaus als Risalit ausgeführt.

Das Äußere des Schlosses zierten zahlreiche barocke Schmuckelemente (Kapitäle, Lisenen). Vom hofseitigen Eingang gelangte man in eine Vorhalle mit links und rechts liegenden Zimmern. Zur Gartenseite hin führte eine dreiläufige Treppe in die beiden Obergeschosse, deren Abschluss zwei Frauengestalten aus Sandstein bildeten.

Das Schloss wurde im Sommer 1948 abgerissen. Die angrenzenden Wirtschaftsgebäude, einst als Spekulationsobjekte von der Treuhandanstalt erworben, sind heute meist nur noch abbruchreife Ruinen.

Der Garten 

Der streng gegliederte Garten ist nordöstlich abgerundet und war früher mit einem Wassergraben umgeben. Am Brunnen in der Mitte des Gartens kreuzen sich die vom Schloss in nördliche Richtung verlaufende und die querverlaufende Hauptachse. Der Brunnen besteht aus einen felsartigen Sockel (Unterbau) in einem sandsteinernen Wasserbecken. Auf diesem Sockel trägt ein mit Voluten, Muscheln und Fratzen verzierter Pfeiler ein mit Tannenzapfen verziertes Becken. Die drei darüber sitzenden Putten ein das Becken. Dieses Karree begrenzen vier Gartenhäuschen.

In den Kreuzungen der Nebenachsen stehen je vier lebensgroße wasserspeiende Tritonen aus Sandstein, die vier Jahreszeiten darstellend. Diese fertigte 1962 der Dresdner Bildhauer Werner Hempel, ebenso zwölf Barockbänke für den Rosengarten. Nach 1996 wurden Erhaltungsarbeiten im Rosengarten und an der Umfassungsmauer ausgeführt; ebenso wird die Bepflanzung ergänzt bzw. erneuert. 

Die Schlosskapell

In den Jahren 1716/17 entstand unter August Ferdinands Witwe Elisabeth Fredericke von Pflugk, geb. Gräfin zu Stubenberg und Kapfenberg, eine neue Kapelle im italienisch-französischen Hochbarockstil (östlich des Schlosses) im Schlossgarten. Dabei wurde die bereits 1661 erwähnte, stark reparaturbedürftige, Schlosskapelle in der Nähe des Schafstalles (nordwestlich des Schlosses) abgetragen.

Die neue Kapelle ist ein rechteckiger Bau (Saalkirche) mit Mansardendach und Dachreiter (1965 Rekonstruktion) mit Laterne. Dieser Bau wird dem Dresdner Baumeister George Bähr zugeschrieben. Das prachtvolle Innere ziert eine reich ornamentierte Stuckdecke. Der barocke Altar stammt vermutlich von Johann Christian Kirchner sowie Kanzel und Taufstein von Benjamin Thomae. Die Orgel wird als ein Werk aus der Werkstatt von Gottfried Silbermann angegeben.

Noch 1945 erfolgte eine Notsicherung des Daches und 1965 die Rekonstruktion.

Es folgten weitere Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten in und an der Kapelle. Eine umfangreiche Sanierung der Schlosskapelle, einschließlich der Orgel, fand von 1990-1997 statt.

Vor der Kapelle befinden sich Gräber der Familie Pflugk auf Tiefenau.

Verfasser: H.-J. Pflug, Adelebsen; D. Enge, Treugeböhla
Fotos: Dietmar Enge, Treugeböhla

Bildunterschriften (der Reihenfolge nach):

Bild 5: tiefenau-2
Schloss Tiefenau, Gartenseite, um 1930, Postkarte, Verlag Wilhelm Klettner, Gröditz, Sammlung D. Enge, Treugeböhla

Bild 6: rosengarten-2
Pavillons im Garten, 2017, Foto: D. Enge, Treugeböhla

Bild 7: altar
Schlosskapelle Tiefenau, Altar, 2012, Foto: D. Enge, Treugeböhla