Mit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Region Riesa ab 1962 und dem damit verbundenen Bau tausender Wohnungen musste natürlich auch das Thema Trinkwasserversorgung beachtet werden. Bis dahin hatten die beiden Riesaer Wasserwerke in Gröba und Göhlis mit einer Gesamtkapazität von 11.700 m³/d ausgereicht. Doch für den Wohnungsbau mussten neue Bezugsmöglichkeiten erschlossen werden.
So wurden zwischen 1963 und 1968 umfangreiche hydrogeologische Untersuchungen im Raum Jacobsthal – Fichtenberg durchgeführt und Erkundungsbohrungen abgeteuft. Dabei erwies sich das Wasserreservoir bei Fichtenberg sowohl von der Menge als auch von der Qualität als sehr günstig.
Da in der DDR-Planwirtschaft eine Realisierung eines neuen Wasserwerkes aufgrund fehlender Bilanzen nicht kurzfristig möglich war, musste eine Zwischenlösung gefunden werden. So wurde ab 1974 das in den Fichtenberger Brunnen gewonnene Rohwasser ohne Aufbereitung über die verlegte Fernleitung nach Riesa gefördert und im dortigen Hochbehälter Weida mit dem Trinkwasser des Wasserwerkes Riesa gemischt. All das lief im Rahmen der sogenannten „Gruppenwasserversorgung Riesa-Fichtenberg“. Mit dieser Zwischenlösung war eine mengenmäßige Absicherung des Trinkwasserbedarfes der Stadt Riesa abgesichert.
Um aber auch die notwendige Trinkwasserqualität auf Dauer sicher zu stellen, musste die Aufbereitungsanlage Fichtenberg nachgerüstet werden. Die Planungen dafür zogen sich wiederum sehr lange hin. Während dieser Arbeiten wurden verschiedene Aufbereitungsverfahren zur Entfernung des vorhandenen Eisens und Mangans sowie zur Anpassung des pH-Wertes untersucht.
Letztlich wurde auf eine offene Belüftungsanlage sowie nachgeschaltete liegende Druckfilter orientiert. Die im Wasserwerk befindlichen Wasserspeicher wurden als Stahltanks konzipiert. Um den zukünftig prognostizierten Bedarf abzudecken, wurde eine Ausbaugröße von knapp 30.000 m³/d festgelegt. Diese Menge konnte durch die vorhandenen 8 Brunnen gerade so abgedeckt werden. Mit dem Bau konnte letztendlich 1979 begonnen werden. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme erfolgt im August 1980.
Das in den 1970-er Jahren begonnene sogenannte „Landprogramm“ zur zentralen Erschließung ländlicher Gemeinden, die bisher über keine bzw. nur eine sehr eingeschränkte Wasserversorgung verfügten, wurde bis Ende der 80er Jahre weiter geführt.
Dadurch erhöhte sich zwangsläufig der Wasserbedarf und das Wasserwerk Fichtenberg kam an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Aus diesem Grund erfolgte Ende der 80er Jahre der Neubau von 13 Tiefbrunnen im alten Fassungsgelände, um die Altbrunnen von 1968 zu ersetzen und die Förderleistung zu erhöhen. Da aber nur Ausbaumaterial mit einem Durchmesser von 300 mm zur Verfügung stand, konnten die neu errichteten Brunnen anfangs nur mit kleinen Unterwassermotorpumpen bestückt werden, da die in der DDR verfügbaren größeren Aggregate einen zu großen Durchmesser aufwiesen, um in die Brunnen eingebaut werden zu können.
Mit der politischen Wende und dem dadurch zur Verfügung stehenden Markt war dieses Thema Geschichte. So wurden bereits 1991 13 neue Pumpen mit entsprechend großer Förderleistung beschafft und in die Brunnen eingebaut.
Bereits 1992 wurden die im Wasserwerk befindlichen Stahlleitungen durch Edelstahl ersetzt, um der fortschreitenden Korrosion entgegen zu wirken. 1998 wurde ein Teil der vorhandenen Pumpen ausgetauscht und durch effizientere ersetzt. Ebenso wurde in diesem Jahr die E-Anlage erneuert.
Im Jahr 2002 folgte die Errichtung 3 weiterer Brunnen, dieses Mal in einem neuen Fassungsgebiet auf sächsischer Flur. Nunmehr wird die Hauptwassermenge aus diesen Brunnen entnommen.
Das Wasserwerk Fichtenberg ist die größte Versorgungsanlage der Wasserversorgung Riesa/Großenhain GmbH und ist im Bedarfsfall in der Lage, das Wasserwerk Riesa mengenmäßig zu ersetzen und damit ca. 90.000 Einwohner mit Trinkwasser zu versorgen.
Aufgrund seiner Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit stehen die fortlaufende Sanierung sowie die energetische Optimierung der Anlage an höchster Stelle.