Die Mühlberger Straße und die sich südöstlich vom ehemaligen Ort Vorwerk Gohrisch und westlich von Lichtensee abzweigende Torgauer Straße waren zwei bereits im Mittelalter bedeutende Handels- bzw. Poststraßen. Aus einer Beschreibung des Jahres 1624 geht hervor, dass diese Wege großenteils durch trockenes Gelände führten und zu allen Jahreszeiten wirtschaftlich zugänglich waren. Auf der weiter südlich gelegenen Hohe(n) Straße bzw. Salzstraße war mit Hochfluten durch die Elbe zu rechnen.
Der Name der Mühlberger Straße hielt sich über alle bekannten Epochen als Eigenname. Die Torgauer Straße wechselte indes mehrere Male ihren Namen. Sie wurde unter anderem als Poststraße, Alte Poststraße, Kröbelner Straße oder Torgau-Hayner-Straße, und auch Coßdorfer-Straße, bezeichnet. Die Mühlberer Straße stellte die Verbindung zwischen Mühlberg und Großenhain her und tangierte die Orte Lichtensee, Vorwerk Gohrisch, Altenau, Vorwerk Klein-Trebnitz und Boragk.
Die Torgauer Straße stellte eine Verbindung zwischen Dresden und Annaburg dar, hierbei tangierte sie ebenfalls die Ortschaften Lichtensee und Vorwerk Gohrisch, verlief dann jedoch weiter nordwestlich Richtung Wendisch Borschütz. Dies erklärt auch den in großen Teilen selben Streckenverlauf.
Im späteren Verlauf der Geschichte verloren beide Straßen immer weiter an Bedeutung, so dass sie zwar noch zum Transport von Gütern genutzt wurden, jedoch nicht mehr die Bedeutung einer wichtigen Handelsstraße innehatten. Ein gänzliches Ende fand die offizielle, zivile Nutzung 1895 als der Ort Vorwerk Gohrisch nach Lichtensee umgesiedelt wurde. Anschließend lagen beide Wege im Zielgebiet des neu geschaffenen Artillerieschießplatzes und sind noch in Fragmenten im heutigen NSG Gohrischheide und Elbniederterrassen Zeithain zu erahnen.
„Die Haynsäule“
Südlich unmittelbar in der Nähe des Ortes Gohrisch an der Torgauer Straße stand eine Halbmeilensäule (Postsäule), die den Anwohnern der umliegenden Gemeinden unter dem Namen „Die alte Haynsäule“ bekannt war.
Errichtet wurde sie 1722 in Folge des vom Kurfürsten von Sachsen am 12. April 1713 an Adam Friedrich Zürner vergebenen Auftrags, das gesamte Sachsenland kartographisch aufzunehmen. Wie überall in Deutschland, so gab es auch in Kursachsen noch kein einheitliches Maßsystem der Längeneinheit. Als Entfernungsmaß war es gebräuchlich, die „Wegstunde“ zu verwenden. Erst später wurde durch Zürner festgelegt, dass zur Vermessung die „mittlere Meile“ verwendet wird. Sie hatte eine Länge von 16.000 Dresdner Ellen - umgerechnet 9,062 Kilometer.
An dieser Stelle stand die Haynsäule 197 Jahre bis sie 1919 vom Artillerieschießplatz auf ihren letzten bekannten Standort im Park an der Kommandantur im Alten Lager versetzt wurde. Heute gilt sie leider als verschollen. Napoleon I. soll 1812, als er nach Dresden fuhr, die Pferde an dieser Stelle gewechselt haben. Der Zeithainer Bauer Joh. Chr. Bennewitz musste damals die Pferde stellen. Als Entschädigung dafür erhielt er einen Napoleondor (Münze).
Text: Stefan Müller
Foto Haynsäule: SLUB/Deutsche Fotothek, Gustav Kuhfahl (1921) (www.deutschefotothek.de/documents/obj/70214715)