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Im Nazireich wurden zum Kriegsende 1945 bei der Auflösung von Arbeitslagern angesichts der näher rückenden Frontlinien völlig entkräftete Häftlinge (Fremdarbeiter, politische Gefangene, Kriegsgefangene, Menschen jüdischer Abstammung) durch das Land getrieben. Befehl vom Führer der SS Heinrich Himmler: „Kein Häftling darf lebend in die Hände der Feinde geraten.“
Nicht marschfähige Häftlinge wurden noch vor dem Marschbeginn erschossen. Wer erschöpft war und den Marsch nicht fortsetzen konnte, wurde ebenfalls erschossen. Von etwa 750.000 Häftlingen starben mehr als 250.000. Sie verhungerten, erfroren oder wurden ermordet. Wegen dieser willkürlichen Tötungen der Menschen heißen diese Märsche Todesmärsche.
Zwei Todesmärsche führten zwischen 17. und 20. April 1945 durch unsere Region. Von Leipzig über Oschatz kommend wurde am 17. April in Merschwitz mit dem Fährboot über die Elbe gesetzt. Etwa 2.000 Männer wurden über Roda nach Glaubitz getrieben und kampierten auf bloßer Erde bis zum 20. April auf dem alten Sportplatz an der Sageritzer Straße.
Etwa 4.000 Frauen wurden über Nünchritz nach Glaubitz getrieben und lagerten auf bloßer Erde, teilweise in dünnen Sommerkleidern ohne Decken, bis zum 20. April auf der Wiese zwischen Schonung und Mühlgraben. Am 20. erfolgte der Weitermarsch der Männer nach Salhassan und der Frauen nach Riesa.
Aus dem Tagebuch eines Franzosen
Dienstag 17.04.1945 – „Am frühen Morgen überqueren wir die Elbe... Wir setzen den Marsch über Roda fort und kommen gegen 15 Uhr auf einem Fußballplatz in Glaubitz an. Wir erhalten fünf Kartoffeln.“
Mittwoch 18.04.1945 - Amerikanische Flugzeuge greifen die Wachmannschaft an. Häftlinge nutzen die entstandene Verwirrung und versuchen zu fliehen. Eingefangene werden erschossen.
Donnerstag 19.04.1945 – Zivile Mitglieder des Volkssturms und der Hitlerjugend, zum Teil noch Kinder, aus Glaubitz, Streumen, Peritz, Zschaiten, Nünchritz jagen die geflohenen Häftlinge, prügeln sie, übergeben sie der SS oder ermorden sie grausamst an Ort und Stelle.
Freitag 20.04.1945 – „Um 4 Uhr früh gehen Arbeitsgruppen los. Sie werden von zwei SS-Leuten eskortiert. ... erreicht die Gruppe ... den Ort eines Massakers an entflohenen Häftlingen. ...Die blutdurchtränkten Leichen werden ... in einem Massengrab begraben. ... Gegen 8 Uhr bekommen wir den Befehl der SS, den Fußballplatz zu säubern. Die Exkremente müssen wir mit unserer Kleidung wegwischen. Der Marsch geht weiter in Richtung Röderau.“
Insgesamt sind 86 Tote dokumentiert. Am 23.04.1945 wird Glaubitz von der Roten Armee besetzt und damit vom Nazifaschismus befreit.
Unterschriften / Quellen
Quellen:
• Aus dem Tagebuch eines überlebenden Franzosen:
- Journal de l’Association Thekla-Schönfeld 1958 in Erinnern – Spuren suchen Nachdenken
- Herausgeber Förderverein „Dr-Margarete-Blank-Haus Panitzsch“ e. V.
• NS-Terror und Verfolgung in Sachsen, Herausgeber: Landeszentrale für politische Bildung
Fotos:
Zeichnung: A. Schäfer
Fähre Merschwitz: Privatbesitz Naumann, Merschwitz
Gedenkstein: Privatbesitz J. Heinrich
Route (Kartengrundlage): Landesamt für Geobasisinformation Sachsen (GeoSN), dl-de/by-2-0
Diese Gedenktafel haben Schülerinnen und Schüler der Oberschule Nünchritz erarbeitet.