zwischen Tiefenau und Fichtenberg, unfern Großenhain"
Karl Benjamin Preusker in den Mitteilungen des Königl. Sächs. Vereins für Erforschung und Erhaltung der vaterländischen Altertümer. Erstes Heft 1835, Ueber einige Alterthümer aus der germanisch/slawischen Periode. vom Herrn Rentamtmann, Ritter Preusker in Großenhain.Seiten 5-6, 10-11, 12-13, 14
"Dieser unstreitig uralte Erdwall ist 2 Stunden lang, indem derselbe in der Gegend von Tiefenau anfängt und sich ungefähr in der Richtung von Osten nach Westen in ziemlich gerader Richtung, zumal von den Heidehäusern an, bei dem Vorwerk und Forsthaus zum Gohrisch vorbei, und nachdem er über eine nicht bedeutende (wegen allmählichen Steigens und Fallens wenig bemerkbare) Anhöhe geführt, auch einige Zeit zufällig die neuere Landesgrenze zwischen den Königreich Sachsen und dem Königl. Preuß. Herzogtum Sachsen gebildet hat, bis in die Gegend von Fichtenberg hinzieht und dann aufhört, ohne daß sich weitere Spuren bis an die ungefähr ¼ Stunde davon entfernte Elbe bemerken lassen.
Er besteht aus einem Graben mit Auswürfen zu beiden Seiten, ist fast überall, zumal wenn man ihn in seiner Richtung verfolgt, sehr deutlich zu erkennen, obwohl an mehreren Stellen, besonders da wo seine Richtung über bebaute Felder führt, Unterbrechungen statt finden. Kurz vor dem Vorwerk Gohrisch teilt sich derselbe in zwei Arme, wovon der eine in gerader Richtung und zwar durch den Garten am Forsthause fortläuft, während der andere in einen fast halbmondförmigen Linie jenes Vorwerk nebst einigen dazu gehörigen Feld- und Gartengrundstücken auf der südlichen Seite einschließt und ungefähr ¼ Stunde weit vom Trennungspunkte sich wieder mit jenem grade ausgehenden Theile vereinigt. Der Graben ist von Auswurf bis zum anderen auf 8 – 12 Ellen breit und hat 2 – 4, meist 3 Ellen Tiefe in welcher die Böschungen beider Seiten aneinander stoßen, ohne daß eine Grundfläche zu bemerken ist, …
In Hinsicht auf Namen und Sagen ist zu bemerken, daß der Name Teufelsgraben von jenem Walle allgemein, und kein anderer gebraucht wird, selbst auch auf älteren Spezialkarten angegeben ist. Bekannt ist es, daß scheinbar von übermenschlicher Kraft errichtete Wälle und Gräben von unbekannten Zweck und Ursprung, wie besonders merkwürdige Felsen und Steinblöcke im Mittelalter dem Teufel zugeschrieben wurden, …
In Anlehnung des Zwecks hat man ihn bisher für einen Kanal (oder Waffengraben) oder für einen Graben zur Abhaltung eines Waldbrandes oder auch für eine Grenzwall angenommen; zu beiden ersten Zwecken möchte er jedoch nicht gedient haben, wie sich aus folgenden ergeben wird.
Was die Anlegung als Kanal anbetrifft, so scheint das örtliche Verhältnis einen solchen nicht zu erfordern …
Für einen Graben zur Abhaltung eines Waldbrandes ist er … ein viel zu bedeutendes Werk; tausende von Menschen mussten unbezweifelt Monate lang, wenn nicht noch länger mit einer jetzt ungewöhnlichen Kraftanstrengung arbeiten, um denselben zu Stande zu bringen. Es bleibt daher nichts übrig als ihn der Wahrscheinlichkeit nach für einen Grenzwall anzunehmen, welcher zwei Nationen zur Scheidung ihrer Distrikte da diente, …“
Eine sächsische Elle = 0,56 m
Preusker bestimmte diese Wallgrabenkonstruktion als Grenzmarkierung slawischen oder wahrscheinlicher germanischen Ursprungs schließt aber selbst die Wahrscheinlichkeit eines römischen Ursprungs (Sächsische Provinzialblätter 1827 Nr. 4) nicht aus.
Heute neigt man eher dazu dieses frühgeschichtliche Bauwerk als Grenzmarkierung des Hochmittelalters (11. - 13. Jahrhundert) zur Abgrenzung der bischöflich naumburgischen Besitztümer zu betrachten.
Dank Preuskers Beschreibungen lässt sich der Verlauf des historischen Teufelsgrabens auch heute noch auf ca. 10 km von Tiefenau bis Fichtenberg nachweisen.
Karl Benjamin Preusker (1786-1871)
Karl Benjamin Preusker, der zu den Begründern der sächsischen Altertumsforschung, heute Archäologie genannt, zählt, wurde 1786 in Löbau geboren. Bereits in seiner Kindheit und Jugend war er sehr bildungshungrig und hatte eine ausgeprägte Sammelleidenschaft. Nach einer Buchhändlerlehre in Leipzig und einer Verwaltungslaufbahn beim Militär kam Preusker 1824 als Rentamtmann nach Großenhain.
Mit seiner Frau und den später sechs Töchtern wohnte er im Gebäude des Rentamtes (heute Karl-Preusker-Bücherei). Von seiner Leselust getrieben gründete er gemeinsam mit dem Arzt Emil Reiniger 1828 im Gebäude der Alten Lateinschule in Großenhain die erste Volksbücherei Deutschlands.
Von eigenen Erfahrungen geprägt war Preuskers Anliegen, allen Schichten Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Mit der Eröffnung einer Sonntagsschule für junge Handwerker 1830 ebenfalls in der Alten Lateinschule, der Organisation eines Lesezirkels und der Gründung eines Gewerbevereins wirkte er von Großenhain aus als Vorkämpfer für eine umfangreiche Volksbildung. Bemerkenswert ist auch Karl Benjamin Preuskers Engagement als Altertumswissenschaftler.
Er baute eine umfangreiche archäologische Sammlung auf, deren ca. 900 Objekte er 1853 dem Königlichen Antikenkabinett übergab. Im Jahr 1840 erhielt Preusker die Ehrenbürgerwürde der Stadt Großenhain. 1853 trat Preusker in den Ruhestand und starb 18 Jahre später, im Alter von 85 Jahren, in Großenhain. Ihm zu Ehren verleiht die Deutsche Literaturkonferenz die Karl-Preusker-Medaille an Personen und Institutionen, die sich um das Bibliothekswesen verdient machen.
Homepage der Stadt Großenhain: www.grossenhain.de/historische-persoenlichkeiten.html
zusammengestellt von: Jens Kraze, Lichtensee
Fotos: Jens Kraze