Die Familie von Schleinitz war eines der einflussreichsten markmeißnischen sächsischen Adelsgeschlechter im Zeitraum vom 13. bis zum 17. Jahrhundert. Sie dokumentierten zugleich einen wesentlichen Teil sächsischer Landesgeschichte. Die einst in Sachsen weit verzweigte Familie derer von Schleinitz war in den verschiedensten Funktionen im markmeißnischen und kursächsischen Staatswesen sowie in der Kirchenverwaltung tätig und, wie andere sächsische Adelsgeschlechter auch, wesentlicher Kulturträger des Landes. Den meißnischen Markgrafen und späteren sächsischen Herzögen und Kurfürsten dienten viele Angehörige dieses Adelsgeschlechtes als wirtschaftliche und politische Berater.
Eine Nebenlinie des weit verzweigten Adelsgeschlechtes derer von Schleinitz waren die Herren auf Schloss Grödel mit Rittergut und landwirtschaftlichen Besitzungen. Östlich vom Schloss befanden sich mehrere Wirtschaftsgebäude, Stallungen und Katen derer, die auf den Besitzungen, im Schloss und auf dem Rittergut angestellt waren. Wie üblich wurden auf den Besitzungen der Landadligen, so auch in Grödel, Bier gebraut und Schnaps gebrannt.
Da Grödel als kleines Dorf kein eigenes Kirchspiel hatte, wurde die Kirche des Dorfes Zeithain ihre Begräbnisstätte. In der Gruft der Kirche und an der Kirche erinnern Grabdenkmale an diese Zeit. Die Herren Haubolt von Schleinitz 1598, Hans Heinrich von Schleinitz 1615, August Gottlob von Schleinitz 1683, Christoph Heinrich von Schleinitz 1710 und andere fanden mit ihren Ehefrauen in Zeithain ihre letzte Ruhestätte. Heinrich von Schleinitz verfügte testamentarisch, dass die Gruft nach seiner Beisetzung zugewölbt und verschüttet werden soll.
Auf Grund der Jahreszahlen der Beisetzungen können wir davon ausgehen, dass die Schleinitzer zwischen den 16. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Grödel ansässig waren.
Die von Wolffersdorff, auch eine bekannte Familie des Sächsischen Landadels, hatten ebenfalls im 18. Jahrhundert Grödel in ihrem Besitz. Das Treppenhaus zeigte das Wappen dieser Adelsfamilie.
Karl Ludwig Graf von Wolffersdorff stand als Oberhofjägermeister im Dienste des sächsischen Kurfürsten. In der Zeithainer Kirche befindet sich das Grabdenkmal dieses Herrn mit der Jahreszahl 1774. Dem Geschlecht der Wolffersdorffer gehörte im 18. Jahrhundert auch Schloss Promnnitz an der Elbe mit Rittergut und Ländereien. Die schlichte, aber großzügige Anlage des Schlosses, wurde in den Jahren 1670 bis 1680 errichtet, es gab aber auch Vorgängerbauten.
Das Schloss Grödel wurde, wie auch Schloss Tiefenau, Schloss Zottewitz, Schloss Skassa und andere, aus politisch ideologischen Gründen nach 1945 abgetragen, andere Schlösser wurden gesprengt. Heute sind von Grödel nur noch ehemalige Wirtschaftsgebäude im schlechten Zustand erhalten.
Gegenüber vom nicht mehr vorhandenen Schloss befindet sich der gepflegte Gutspark. Im Park befinden sich standortgerechte und heimische Gehölze, die neu gepflanzt bzw. ersetzt wurden. Die erhaltenen historischen Elemente aus verschiedenen Gestaltungsphasen, zum Beispiel Barock, werden bewahrt. Ausführliche Informationen zum Gutspark findet man am Parkeingang.
Quelle: Literatur zum Meißner Land von Hans Jürgen Pohl, Bau- und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, bearbeitet von Cornelius Gurlitt
Verfasser: Manfred Berke, Neuseußlitz
Fotos: Landesamt für Denkmalpflege/Fotoarchiv