Ehemaliges Dampfsägewerk
Das Dampfsägewerk Merschwitz wurde in den Jahren 1875/76 auf dem Gelände einer Ziegelei aufgebaut und 1876 mit zunächst einem eisernen Walzengatter in Betrieb genommen. Im Endausbau standen für die Produktion von Schnittholz insgesamt vier Sägegatter zur Verfügung.
Bauherr dieses Werkes war Ernst Otto Schulze, der vorher auf diesem Gelände eine Ziegelei betrieb, die insbesondere Dachziegel (Biberschwänze) für Merschwitz und Umgebung produzierte. Nach dem Tod von Ernst Otto Schulze wurde das Sägewerk von seinen Söhnen Curt und Max Schulze geleitet.
Das zu verarbeitende Rohholz stammte zu einem großen Teil aus Böhmen und wurde auf der Elbe mittels Flößen nach Merschwitz transportiert. Hier angekommen, gelängten die Holzstämme über offene Loren (Hunte) einer Feldbahn zum Trockenplatz und danach in die Sägegatterhallen.
Die Sägegatter wurden mittels Transmission (Riemenbetrieb), die über eine 1898 in Magdeburg gebaute Hochleistungs-Dampflokomobile angetrieben wurde, in Bewegung gesetzt. Diese Lokomobile war die drittälteste Deutschlands, hatte ein Gewicht von 30 Tonnen und war mit zwei Schwungrädern (Durchmesse 3,2 und 2,1 m) ausgestattet.
Zur Erleichterung und Beschleunigung der Umschlagsarbeiten wurde im Jahre 1921 der Turmdrehkran errichtet, da der bereits vorher bestehende Auslegekran nicht mehr den Anforderungen entsprach.
Die Käufer des Schnittholzes kamen aus der Region, aber auch aus vielen Orten entlang der Elbe bis hin nach Hamburg. Mit eigenen Schleppkähnen wurden die Bretter und Kanthölzer zu diesen Kunden transportiert. In den Jahren 1945/46 musste die Familie Schulze große Mengen Schnittholz (Kanthölzer, Bretter) für die Rote Armee herstellen. Der An- und Abtransport wurde zum größten Teil von der Roten Armee selbst organisiert. Danach wurde für die heimische Bevölkerung Schnittholz nur noch in Lohnschnitt produziert.
Ende Mai 1957 gab es einen verheerenden Brand auf dem Holzhof, bei dem das Heizhaus und die Gatterhallen stark beschädigt wurden. Zu einem Wiederaufbau kam es nicht; der Betrieb wurde eingestellt.
Turmdrehkran
Im Genehmigungsbescheid vom 09.07.1920 heißt es:
„Der Turmdrehkran diente dazu, mittels elektrisch betriebenen Winden und Drehkranz das aus der Elbe auf Feldbahnhunten gezogene böhmische Floßholz an vorgesehene Stellen des Holzplatzes zu bringen und zu stapeln. Das runde, turmartige Gebäude ist aus Bruchstein- und Ziegelmauerwerk mit einer Mauerstärke von 80 cm, enthält eine elektrische Antriebsmaschine und hat 8 m Durchmesser, 12 m Höhe und einen Umfang von etwa 30 m.
Er besitzt einen drehbaren hölzernen Aufbau mit einer Höhe von ca. 5 m (läuft auf einem Drehkranz) und eine Verspannspitze, etwa 3 m hoch, deren Seite einerseits den etwa 14 m langen Auslegerbalken mit Aufhänger und andererseits das Gegengewicht im Aufbau trägt. Der drehbare Kran, dessen Achse in Gebäudemitte liegt und bis über Dachhöhe geführt ist, besteht aus Holz und ist zweiarmig. Das Gebäude hat eine geschätzte Höhe von 15 m. Auf der Spitze befindet sich eine Wetterfahne mit Segelschiff und der Jahreszahl 1921.“
Der Turmdrehkran verlor nach dem Ausbleiben des böhmischen Holzes seine Bedeutung. Obwohl unter Denkmalschutz gestellt, war das wertvolle Bauwerk dem Verfall preisgegeben.
Im Jahr 2007 kaufte Gustav Gâl, Unternehmer aus Glaubitz, das Gelände mit ruiniertem Turmdrehkrangebäude. Mit bewundernswerter Hingabe und großem zeitlichen und finanziellen Aufwand sanierte er bis 2010 das Gebäude und machte es so zu einem Anziehungspunkt und neuem Wahrzeichen von Merschwitz.
Zwei voll ausgestatte Ferienzimmer und ein Aufenthaltsraum im obersten Geschoss mit herrlichem Rundblick können Radlern und Einheimischen zur Übernachtung, aber auch zur Durchführung von Feierlichkeiten, dienen.