Willkommen beim Elbe-Roeder-Dreieck

04.06.2018 "Wir stoppen das Insektensterben" Infoveranstaltung in Gröditz

Seit 2015 setzen wir die aktuelle LEADER-Entwicklungsstrategie im Elbe-Röder-Dreieck um. Dabei haben wir uns engagierte Ziele gesetzt. Einige betreffen das Handlungsfeld Natur und Landschaft: Landschaftserleben verbessern, ökologische Strukturen vermehren, Hochwasserprävention und Gewässerrenaturierung. Nun herrscht eine kleine Aufbruchstimmung im Elbe-Röder-Dreieck. Um Lebensräume für Insekten zu gestalten, sollen neue Hecken und Blühflächen angelegt werden.

Insekten sind für das Gleichgewicht der Ökosysteme unentbehrlich. Doch in den letzten Jahrzehnten gingen ihre Bestände dramatisch zurück.
Was sind die Hintergründe und was kann man gegen das Insektensterben tun? Hier finden Sie die Antworten.

Hintergrund:

  • Wissenschaftler bestätigten 2017 in einem Aufsehen erregenden Bericht das Insektensterben. Eine Zusammenfassung finden Sie hier: NABU News 10/2017
  • Die Ursachen des Rückgangs von Insekten ist jedoch nicht umfassend erforscht. Ein Statement aus Perspektive der Landwirtschaft finden Sie hier: Top Agrar 20.10.2017

Zusammenfassung

Der Gastgeber, Bürgermeister Jochen Reinicke zeigte sich in seiner Begrüßung besorgt über die nachweisbar rückläufigen Bestände nicht nur von Insekten, sondern auch von allen anderen Tieren, die in der Nahrungskette weiter oben stehen. Inzwischen sei es offensichtlich, dass hier etwas getan werden muss: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, ist es nur das kleinere Übel, irgendwann kein Honig mehr essen zu können.“

Die sieben Partnergemeinden im Elbe-Röder-Dreieck hätten daher eine besonders wichtige Funktion, die Entwicklung des ländlichen Raumes positiv zu gestalten. „Wir wollen alles dafür tun, dass für die Zukunft die Umwelt in einem Gleichgewicht erhalten bleibt.“ Als Vorreiter kündigte Herr Reinicke an, mehr Nachhaltigkeit in die Landschaftspläne zu bringen.

Während der Veranstaltung herrschte Einigkeit, dass ein grundsätzlicher Wandel im System der Landbewirtschaftung fällig ist. Zwar können umweltaffine Landwirte bereits mit Naturschutzmaßnahmen auf mittleren Standorten schöne Bienenweiden schaffen. Der Preisdruck der Lebensmittelindustrie und nicht zuletzt von den Verbrauchern drängt die Bewirtschaftung jedoch mehrheitlich zur Intensivstbewirtschaftung. Die anwesenden Landwirte erhoffen sich vor allem Seitens der Naturschutzpolitik weitere Optimierungen, um effektive Schutzmaßnahmen neben der konventionellen Bewirtschaftung umsetzen zu können. Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen liegt schließlich allen am Herzen.

Neue Hecken könnten dort angelegt werden, wo offensichtliche Lücken im Biotopverbund klaffen und die Landwirtschaft selbst durch Wasserrückhalt und geringerer Bodenerosion davon profitiert. Dies bestätigte Dr. Günther Drobisch vom Regionalbauernverband Elbe-Röder. Die Landwirte seien durchaus offen für ökologische Maßnahmen, wenn dadurch keine wirtschaftlichen Einschränkungen entstehen. Erstmals gibt es nun flächendeckend für die gesamte Region konkrete Standortvorschläge für solche neue Landschaftselemente. Allein an Standorten mit sehr hohem Aufwertungsbedarf kommen neu zu pflanzende Strukturen von insgesamt 130 km Länge zusammen.

Das erste Pflanzvorhaben mit einer Länge von 1,5 km soll bereits im kommenden Winterhalbjahr umgesetzt werden. Dabei würde Lücke im Biotopverbund zwischen den Waldinseln an der Elbe und der Gohrischheide zu 50 % geschlossen. Ein Jahr später könnte bereits der Lückenschluss erfolgen.

Innerhalb der Ortschaften könnten hingegen gezielt Blühflächen auf kommunalen Flächen entstehen. Der Wülknitzer Bürgermeister Hannes Clauß brachte die Idee ein, im gesamten Elbe-Röder-Dreieck Beispielflächen anzulegen, wo aktuell noch jegliche Nahrungsgrundlage für Insekten abgemäht wird. Der Bevölkerung könnte man in dem Zusammenhang zeigen, dass bunt blühende Wiesen gleichzeitig eine Bereicherung für das Ortsbild sind.

Dr. Matthias Nuss – Experte für Schmetterlinge am Senckenberg Museum für Tierkunde Dresden - betonte, dass jeder Einzelne einen Beitrag gegen den Insektenschwund leisten kann. Eigeninitiative sei dabei auch von Bürgerinnen und Bürgern gefragt. Wer zum Beispiel seine Koniferenhecke mit heimischen Gehölzen ersetzt, kann bereits in einem Vorgarten einen wertvollen Anteil leisten. Auch auf Firmengeländen könne man einfach Gebrauchsrasen ohne Nutzung in bunte Wiesen umwandeln.

Fazit des Nachmittags: Grundsätzlich geht es in die richtige Richtung. Aber noch befinden wir uns in den Startlöchern und müssen noch viel über die Gestaltungsmöglichkeiten von Lebensräumen dazu lernen. Herr Reinicke warnt, dass es eigentlich schon fast zu spät sei – wir müssen also handeln, egal welche individuellen Interessen und Gewohnheiten uns Steine in den Weg legen. Fest steht, nur miteinander könne man eine Lösung des Problems Insektensterben finden. Das Elbe-Röder-Dreieck lädt daher jeden ein, sich mit eigenen Ideen und Initiativen einzubringen.

 

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